Bitcoin – Rohstoff oder Wertpapier?
Soll Bitcoin anders reguliert werden als andere Kryptowährungen? Müssen Cryptocoins überhaupt reguliert werden? Ein Gastbeitrag.
Von Aaron Koenig (Hyperbitcoinizer.com)
In letzter Zeit gab es heftige Diskussionen darüber, wie Bitcoin und andere Cryptocoins reguliert werden sollten. Einige Leute wie der CEO von Microstrategy, Michael Saylor, argumenieren, dass nur Bitcoin als Commodity (also: Rohstoff/Ware) eingestuft werden sollte, während alle anderen Cryptocoins als Securities (also: Wertpapiere) anzusehen sind. „Blocktrainer“ Roman Reher und andere deutsche Krypto-Influencer schrieben sogar einen offenen Brief an die EU-Regulierungsbehörden und forderten sie auf, sich diese Ansicht zu eigen zu machen.
Die unterschiedliche Einstufung von Bitcoin und anderen Cryptocoins hätte erhebliche Konsequenzen. In den USA werden Wertpapiere von der Securities and Exchange Commission (SEC) reguliert. Ihre Kriterien für die Erteilung von Lizenzen sind viel strenger als die der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). In anderen Ländern ist die Regulierungspraxis ähnlich. Sollten die Forderungen von Saylor, Reher gängige Praxis werden, würden viele Kryptounternehmen vor ernsthaften Problemen stehen.
Was sind Commodities und Securities?

MicroStrategy-CEO Michael Saylor. Bild von Reason TV, von Aaron Koenig für Bitcoinblog.de zur Verfügung gestellt..
In der traditionellen Welt ist der Unterschied zwischen Commodities und Securities relativ klar. Commodities sind Vermögenswerte wie Öl, Gold oder andere Edelmetalle. Sie werden nicht von Menschenhand hergestellt, sondern sind Rohstoffe, die in der Natur vorkommen. Auch landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Weizen oder Reis gelten als Commodities, obwohl sie gezüchtet oder genetisch verändert werden können.
Securities, auf deutsch: Wertpapiere, sind Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen oder Derivate, die von Unternehmen oder Staaten herausgegeben werden. Sie werden in der Regel verzinst oder bieten ihren Inhabern eine andere Form des finanziellen Anreizes. Die Definitionen dieser Vermögensklassen variieren zwischen den verschiedenen Rechtsordnungen und sind nicht immer sehr trennscharf.
Die Einordnung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen in diese traditionellen Kategorien ist nicht einfach. Michael Saylor argumentiert, dass Bitcoin aufgrund seines dezentralen Charakters nicht verändert werden kann und daher als Commodity betrachtet werden sollte. Er ist der Meinung, dass Ethereum und alle anderen Cryptocoins und -tokens von kleinen Gruppen kontrolliert werden und daher nichts anderes als Wertpapiere sind, die von Behörden wie der SEC streng reguliert werden sollten.
Ein riskanter Ritt
Diese Position ist eindeutig eine des Maximalismus. Es gibt Leute, die meinen, dass es nur eine einzige Kryptowährung geben sollte: Bitcoin. Für sie sind alle anderen Kryptowährungen „Shitcoins“, die von der Regierung verboten werden sollten – eine seltsam staatsgläubige Einstellung, die den libertären Wurzeln von Bitcoin widerspricht. Sollte nicht der Markt entscheiden statt einer zentrale Behörde?
Vergessen wir nicht, dass auch Bitcoin gravierend verändert wurde, etwa durch die Einführung von SegWit oder das jüngste Taproot-Upgrade. Maximalisten bewegen sich auf dünnem Eis, wenn sie die „Unveränderlichkeit“ von Bitcoin als Hauptkriterium ansehen, um seine Einstufung als Wertpapier zu vermeiden. Es könnte deutlich nach hinten losgehen, sich auf die Seite staatlicher Institutionen zu stellen, um sich einen Vorteil gegenüber anderen Kryptowährungen zu verschaffen.
Zweifellos hatten viele der Coins und Tokens, die in den letzten Jahren ausgegeben wurden, nur den Zweck, ihre Gründer reich zu machen. Von denjenigen, die nicht eindeutig als Betrugsprodukte zu erkennen sind, werden viele die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Der Startvorteil von Bitcoin ist nur sehr schwer einzuholen.
Gesunder Wettbewerb

Bildrechte bei Aaron Koenig, für Bitcoinblog.de zur Verfügung gestellt.
Wettbewerb ist jedoch eine gute Sache. Es wäre dumm, ihn nicht zu nutzen, selbst wenn man ein eingefleischter Bitcoiner ist. Rootstock, die Sidechain, die intelligente Verträge auf der Grundlage von Bitcoin ermöglicht, hat viel von Ethereum gelernt, es verwendet sogar dasselbe Kontoformat und dieselbe Virtual Machine. Die Methoden, die für Privacy Coins wie Monero oder Z-Cash entwickelt wurden, könnten auch Bitcoin mehr Privatsphäre bringen.
Ich halte es für unangebracht, alle anderen Coins zu verdammen und sogar mit staatlichen Institutionen zusammenzuarbeiten, um sie zu verbieten. Bitcoin-Maximalisten sollten vielmehr den Wettbewerb begrüßen und zuversichtlich bleiben, dass er Bitcoin nur stärker macht. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass ein Coin auftaucht, die Bitcoin um einige Größenordnungen überlegen ist – aber wenn das passiert, sollte man es anzuerkennen.
Die albernen Schlachten zwischen Bitcoin-Maximalisten und Altcoinern sollten besser vermieden werden. Unsere wahren Feinde sind die Regierungen und ihr Monopolgeld. Natürlich müssen wir offensichtliche Betrugscoins identifizieren und die Menschen davor warnen, in sie zu investieren. Aber wenn es um staatliche Regulierung geht, sollten Bitcoiner und Altcoiner ihre Differenzen beiseite legen und zusammenhalten.
Ich bin der festen Überzeugung, dass weder Bitcoin noch Altcoins von staatlichen Institutionen reguliert werden und deren veralteten Regeln unterliegen sollten. „Rohstoffe“ oder „Wertpapiere“ sind Begriffe, die nicht in die Welt der dezentralen digitalen Vermögenswerte passen. Ein internationales Gremium, das von seriösen Unternehmen der Kryptobranche gebildet wird, könnte ein besserer Weg sein, um schlechte Akteure zu identifizieren und zu stoppen und Investoren zu schützen.
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Aaron Koenig ist der Herausgeber von Hyperbitcoinizer.com, einem Blog, der sich auf die wirtschaftlichen und politischen Aspekte von Bitcoin konzentriert. Aaron ist seit 2011 im Bitcoin-Bereich als Unternehmer, Buchautor und Redner tätig.