Russische Expobank tokenisiert Diamanten
Eine große Bank in Russland tokenisiert Diamanten auf einer Blockchain der russischen Finanzbranche. Auch sonst sind die Institute des Landes beim Thema Blockchain bemerkenswert fortschrittlich.
Mit 600 Millionen Karat hat Russland die weltweit größten Diamant-Reserven. Nun hat eine der größten Banken des Landes erstmals Diamanten als Token angeboten.
Die Expobank gab 5.000 Token für einen 3-Karat-Diamant heraus, der mit 9 Millionen Rubel – 97.500 Dollar – bewertet wird. Jedes Token ist damit etwas unter 20 Dollar wert. Sie wurden an akkreditierte Investoren verkauft und werden im November 2026 zum Marktpreis ausgelöst.
Die tokenisierten Diamanten sollen Diamanten als Anlage demokratisieren. Bisher sind Diamanten ein Privileg der Vermögenden, da der Einstieg bei rund 20.000 Dollar beginnt. Für russische Anleger seien Diamanten auch daher interessant, kommentiert Vakery Enakyabow, ein russischer Börsenexperte, „weil sie in Dollar bewertet werden, und man so zumindest vor der Abwertung des Rubels geschützt ist.“
Als Technologie nutzt die Bank den englischen Berichten zufolge die Multichain Blockchain. Wenn man eine der Quellen, ein Bericht des Wirtschaftsmagazins “Ведомости”, maschinell übersetzt, landet man bei „Masterchain“, was dem kyrillischen „Мастерчейн“ im Text besser entspricht.
Masterchain ist, wenn ich es richtig verstanden habe, ein von der russischen Zentralbank 2016 initiiertes Blockchain-Projekt, das als geschlossene Fork von Ethereum startete, eventuell auf Basis von “Ethereum Enterprise”. Bei den initialen Tests nahmen zahlreiche wichtige Banken teil. Auch wenn es in den außerrussischen Medien relativ wenig Berichte über Masterchain gibt, scheint das Projekt erfolgreich weiter zu laufen.
So gab die große VTB 2020 eine Garantie für knapp 400 Millionen Rubel als Token auf der Masterchain heraus, und im März 2023 denominierte die Moscow Credit Bank eine solche tokenisierte Garantie in chinesischen Yuan. Genutzt werden diese Garantien vor allem im Groß- und Fernhandel.
Masterchain ist auch ein von der Zentralbank unabhängiges Unternehmen, das die Blockchain betreibt. Wie zahlreiche andere Finanzinstitute erhielt es von der Zentralbank das Recht, „Digitale Finanz-Assets“ (DFA) herausgeben und zu verwalten.
DFAs sind wohl das russische Gegenstück zu „Kryptowertpapieren“ und „Krypto-Assets“. Über eine Plattform von Masterchain können Unternehmen solche DFAs herausgeben. Im dritten Quartal 2023 allein wurden mehr als 80 neue Token geschaffen, in der Regel von Finanzinstituten wie Sberbank oder Eurofinance Mosnarbank, die Börse Sankt Petersburg, Masterchain und anderen Blockchain-Plattformen. Gehandelt werden die DFAs bisher aber nur auf einer Moskauer Börse.
Es ist nicht ganz trivial, die Fakten aus maschinell übersetzten russischen Artikeln von etwa Forklog zu rekonstruieren. Aber insgesamt deutet alles auf ein sehr lebhaftes und vor allem konstruktives Blockchain-Ökosystem im russischen Finanzwesen hin.
Geopolitisch ist dies spannend. Denn durch die Tokenisierung der Finanzinfrastruktur kann Russland den internationalen Handel mit China und anderen „befreundeten“ Staaten erheblich vereinfachen. Die Sanktionen könnten zu einem Treiber des Aufbaus einer neuen, moderneren, schlankeren, kraftvolleren Finanzinfrastruktur werden.